Eisenbahnrelikte

Bahnhof Aachen Süd (Buschtunnel)

Der Bahnhof Aachen Süd/Abzweig

Beginn der Rampe nach Aachen Hbf

Bahnhof Aachen Süd

Bis 1969 war der am "Ronheider Berg" (Straße) gelegene Bahnhof, neben Aachen-West, ein wichtiger Abfertigungsbahnhof für Güterzüge im grenzüberschreitenden Verkehr.

Hier bestand kein Haltepunkt für den Personenverkehr. Einige Ausnahmen bestanden in den zwanziger bzw vierziger Jahren während des 2. Weltkrieges.

Der Bahnhof begann am Ende der Ronheider Rampe (östlich) bei Bahnkilometer 72,8 und endete am östlichen Tunnelportal des Buschtunnel (westlich) bei Km 73,6.

Der Bahnhof hatte 8 Gleise.

Vier Bahnhofsgleise dienten der Zugabfertigung (Übergangszettel), zwei Durchfahrtgleise für den Personenverkehr sowie zwei Stumpfgleise zum Abstellen.

Der Fahrdienst wurde von drei Stellwerken geregelt. Das Fahrdienstleiter Stellwerk "Asf" (nördlich vom Gleis) SP Dr S60 Gleisbild, heute Gartenlaube, befand sich am Eingang des Bahnhofes am Ende der Rampe von Aachen Hbf. Im Mittelbahnhof, unweit vom westlichen Tunnelportal (südlich vom Gleis), stand ein breites flach gehaltenes Wärterstellwerk (Fachwerk) Aachen Süd Mitte "Asm" mit Siemenstechnik (Blockwerk, Hebelbank etc.). Hinter der Tunnelröhre (südlich vom Gleis) in Richtung Belgien (ca 50m) befand sich das Wärterstellwerk "Asw" (Siemenstechnik), ein recht hoch gebauter, dunkler Ziegelbau mit großer Fensterfront.
Während "Asm" den Bahnhofsbetrieb und die Ausfahrtgruppen bediente, sicherte "Asw" die Fahrstraßen des eingleisigen Abzweiges nach Montzen (L 24 a belgische Linienbezeichnung) und die Hauptstrecke (Brüssel) zum belgischen Stellwerk Hergenrath. Ferner befand und befindet sich, noch auf deutscher Seite, eine Anrufschranke (Luerweg), die die Hauptstrecke sichert und von "Asw" bedient wurde. Das weitest entfernte Hauptsignal stand ca 1.200m
in Richtung Montzen, es wurde mittels Kurbel betätigt.

Internationale D-Züge mit Kurswagen nach London oder Paris sowie die TEE (VT 11 heute 601) Saphir und Diamant nach Paris Nord durchfuhren diesen Bahnhof.

Die aus Richtung Köln kommenden und für Belgien bestimmten Güterzüge wurden in Aachen Süd abgefertigt. Der Umweg über Aachen West, mit Umsetzen und Kopfmachen, konnte so entfallen.

Ab 23.05.1965 war die Strecke Köln über Aachen bis Bundesgrenze elektrifiziert und an das belgische Oberleitungsnetz angeschlossen. Ab Aachen Hbf (Systemwechel) wird mit belgischem 3 KV Gleichstrom gefahren. Die Fahrsicherheit ist durch das belgische Sicherungssystem "Krokodil" gewährleistet.

Güterzugleistungen Richtung Montzen mussten weiterhin bis zur Stilllegung der Verbindungstrecke am 01.06.1969, mit Dieselloks BR 51 der SNCB/NMBS "Kartoffelkäfer" genannt und Dampfloks der BR 50 der Bundesbahn erbracht werden.
Bedingt durch die starke Steigung an der Ronheider Rampe, wurden fast alle Züge (Pz/Gz) nachgeschoben.

Der Güterverkehr durchfuhr aus Montzen kommend, in der Regel, den Bahnhof Aachen Süd ohne Halt, da der "Deutsche Dienst" der Bundesbahn in Montzen die Züge abgefertigt hatte.

Alle baulichen Anlagen sind in den frühen Siebzigern nach und nach entfernt worden, lediglich das Fahrdienstleiter Stellwerk hat als Gartenlaube überlebt.

Die Gleis- und Signalanlagen sind im Zuge des Baus des "Neuen Buschtunnel", 2005 bis 2007, demontiert worden.

Auf dem Terrain des ehemaligen Bahnhofes verlaufen heute die zwei Fahrtgleise im Betonbett von Lärmschutzwänden flankiert.


Abzweig nach Montzen (Linie 24a)


Am Bahnkilometer 75 zweigte die 1918 in Betrieb genommene und bis 1969 befahrene eingleiseige, nicht elektrifizierte Strecke nach Montzen ab.

Diese Strecke war dem Güterverkehr, bis auf ein kurzes Intermezzo während des zweiten Weltkrieges, vorbehalten.
Aus diesem Grund wurde ein Überführungsbauwerk geschaffen, auf dem ein Hauptgleis in Richtung Hergenrath (Brüssel) die abzweigende Strecke nach Montzen kreuzungsfrei überbrückte.
Die Strecke verlief nord-westlich über die B 264a von Aachen nach Kelmis (La Calamine), durchlief den Stadtwald und querte die Grenze. Hinter Kelmis (nördlich) in Buschhausen, fädelte sie am Turmbahnhof Moresnet Kapelle, in die L 24 Aachen West nach Montzen ein.
Im Zuge der Elektrifizierung der Strecke von Köln nach Brüssel (1963-1965) und der Umbauarbeiten am Buschtunnel, wurde hinter dem Überführungsbauwerk (westlich), Bahnkilometer75, in das Gleis Richtung Buschhausen eine Weiche eingebaut. Durch diesen Weicheneinbau konnte dieses neue Stück Gleis in das Richtungsgleis Brüssel (Rechtsverkehr) eingebunden werden. Vor der Einbindung waren erhebliche Erdarbeiten Richtung Hergenrath nötig. Das Niveau der Strecke lag erheblich höher als der Abzweig nach Montzen. Das bis dato parallel zum Überführungsbauwerk (südlich) verlaufende Gleis aus Richtung Brüssel (Rechtsverkehr), wurde vor dem Überführungsbauwerk (von Hergenrath gesehen) gekappt und Richtung Tunnel demontiert. An der Kappungsstelle wurde das Gleis geschwenkt und an das obere Gleis des Überführungsbauwerk angeschlossen.
Die neue Streckenführung Brüssel-Aachen verlief nun über (nach Brüssel) und unter (nach Aachen) dem Überführungsbauwerk. Problemlos konnte jetzt, ohne Weiche, vom deutschen Rechts- auf den belgischen Linksverkehr gewechselt werden.

Am 01.06.1969 wurde der Verbindungsast nach Montzen stillgelegt und zügig zurückgebaut.

Die Grenze zwischen SNCB und und Bundesbahn wurde jetzt, von Hergenrath (B), 100m vor das westliche Tunnelportal verlegt. Zwei belgische Hauptsignale (mit Krokodil) erhielten ihren Standort zwischen Brücke Entenpfuhler Weg und Tunnelportal.

Auf der Trasse der L 24a, die durch den Stadtwald dies- und jenseits der Grenze verlief, wurden die Geländeeinschnitte, Anfang der siebziger Jahre, zum größten Teil mit Bauschutt aus Aachen und Kelmis verfüllt, so dass ihr Verlauf nicht mehr oder nur mehr teilweise sichtbar ist. Im Bereich der Lütticher Straße ist der bewachsene Bahndamm noch sichtbar. Die seit 1969 funktionslose Eisenbahnbrücke über die Lütticher Straße wurde zwischen dem 10. und 11. August 2013 abgerissen.

Im Jahre 2011 ist von der ehemaligen Trassenführung im Bereich des Buschtunnels und der Hauptstrecke nach Brüssel nichts mehr zu erkennen.

Das Gelände wurde völlig neu konzipiert und der heutigen Hochgeschwindigkeitsstrecke angepasst.


Zugunglück 1974

1974 ereignete sich vor dem östlichen Tunnelportal ein Unglück. Ein Güterzug, der aus Gleis 8 Richtung Belgien abfahren wollte, stieß in Flankenfahrt mit einem von Aachen Hbf kommenden D-Zug zusammen. Bei diesem Großeinsatz der Aachener Berufsfeuerwehr, zur nächtlichen Stunde, gehörte ich mit zu den erst eintreffenden Beamten des ersten Abmarsches. In völliger Dunkelheit, bepackt mit Leitern und Rettungsgeräten, sind wir die Böschung am Tunnelportal (Wald) vom Ronheider Berg (Straße) kommend zur Unglücksstelle vorgegangen. Es sah aus wie nach einem Bombenangriff. Normaler Weise werden Einsatzstellen von uns fotographisch dokumentiert, in diesem Fall wurden alle Hände benötigt. Im Archiv der Feuerwehr ist kein einziges Eigenfoto vorhanden.
Bilder vom Einsatz der Berufsfeuerwehr und den Aufräumarbeiten der Bundesbahn können Sie in der Bildergalerie betrachten.


Der Aachener "Buschtunnel"


Das Bauwerk wurde von 1838 bis 1843 erbaut, sein östliches Portal liegt am Bahnkilometer 73,6 im Volksmund auch Ronheider Tunnel (691m) genannt. Am westlichen Portal ist die Jahreszahl 1894 in Stein gemeiselt.

Er liegt im südlichen Aachener Stadtwald in Höhe der Waldgaststätte "Waldschenke", unterhalb der Lütticher Strasse (B 264a). Er ist der Scheitelpunkt der Ronheider Rampe, ihm ehemals vorgelagert war der Grenzübergangsbahnhof Aachen Süd.

Zwischen 2005 und 2008 wurde parallel zum Buschtunnel (südlich) eine neue Tunnelröhe im bergmännischem Vortrieb erbaut. Sein Name ist "Neuer Buschtunnel", er ist 711m lang und eingleisig ausgebaut.

Anfang Oktober 2008 wurde der Verkehr durch den Neuen Buschtunnel eröffnet.

Die bauliche Substanz im Inneren der alten Röhre, sowie die der beiden Portale (Ziegelmauerwerk), waren so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass ab Mai 2009, der Buschtunnel komplett saniert wurde.

Es wurde geplant und ausgeführt, die bis dato zweigleisige Röhre wurde nun, analog der neuen Röhre, grundsaniert und für den eingleisigen Hochgeschwindigkeitsverkehr umgebaut.

An der Alten Röhre liefen trotz des strengen Winters, im Februar 2010 mit reichlich Schnee, die Sanierungsarbeiten weiter.

Anfang Oktober 2011 waren die Arbeiten an der Röhre beendet.

Am 23.10.2011 durchfuhr der erste ICE den Alten Buschtunnel.

Der Verkehr zwischen Belgien und Deutschland verläuft jetzt über beide Röhren

Er ist seit seiner Grundsanierung und Wiederinbetrienahme Oktober 2011 wieder der älteste befahrene Eisenbahntunnel Deutschlands.


 

Bahnhof Aachen Süd

Ehemaliger Bahnhof Aachen Süd (Foto 2004)

dann Fahdienstleiter nach Stilllegung 1969



Stellwerke in Aachen Süd

Zugunglück 1974

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Reisezüge ca. 1975

BR 184 112 mit D-Zug Richtung Aachen Hbf
BR 184 112 mit D-Zug Richtung Aachen Hbf
SNCB 1801 von der Ronheider Rampe kommend
SNCB 1801 von der Ronheider Rampe kommend



Westportal Buschtunnel (Foto 2005)

Markierung zeigt Standort ehemaliges Stellwerk " Asw"

 

Überführungsbauwerk

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Linie L 24a Richtung Montzen

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Eisenbahnbrücke Lütticher Straße (2013)



Abrissarbeiten August 2013



Sonntag 11. August 2013



27.August 2013

Die Eisenbahnbrücke der Linie 24a ist Geschichte

das letzte steinerne Zeugnis auf deutscher Seite ist verschwunden!



ICE 3 von Brüssel kommend (Ostseite 2011)

Verlässt "Neuen Buschtunnel" Richtung Aachen Hbf

 

Bauphase 2005 bis 2007

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Fertigstellung

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Neubau Brücke Entenpfuhler Weg

Provisorische Brücke (Entenpfuhler Weg)
Provisorische Brücke (Entenpfuhler Weg)
Blick Richtung Gut Entenpfuhl
Blick Richtung Gut Entenpfuhl
Am Pfeiler wird gearbeitet
Am Pfeiler wird gearbeitet
Noch ein Teil fehlt
Noch ein Teil fehlt



Ostportal Buschtunnel Aachen Süd

vor der Kernsanierung 2009

 

Die Sanierung 2009 bis 2011

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Die Fertigstellung Oktober 2011

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Beide Röhren sind befahrbar 23.10.2011

Alter und Neuer Buschtunnel am 01.N0vember 2011
Alter und Neuer Buschtunnel am 01.N0vember 2011
01.November 2011 der Thalys verlässt den Neuen Buschtunnel nach Brüssel
01.November 2011 der Thalys verlässt den Neuen Buschtunnel nach Brüssel
Brücke Entpfuhler Weg
Brücke Entpfuhler Weg
24.10.2011 der ICE 15 von Brüssel kommend verläst den Buschtunnel
24.10.2011 der ICE 15 von Brüssel kommend verläst den Buschtunnel
Der fertige Buschtunnel
Der fertige Buschtunnel
ICE 15 schleicht durch die Röhre
ICE 15 schleicht durch die Röhre



Unterhaltgrenze DB - SNCB/NMBS

Blick Richtung Belgien



 

Anrufschranke: Luerweg

Das Dreiländereck lässt grüßen
Das Dreiländereck lässt grüßen
Die Anrufschranke im Luerweg
Die Anrufschranke im Luerweg
Grenze DB zur SNCB
Grenze DB zur SNCB
Noch wenige Meter zur Grenze
Noch wenige Meter zur Grenze
Blick Richtung Buschtunnel
Blick Richtung Buschtunnel



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