Eisenbahnrelikte

Die Vennbahn

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Letzte Änderung am [19.Juni 2015] um [15:30] Uhr.

Eine Eisenbahn in das Hohe Venn

König. Preuss.Eisenbahn Verwaltung

Die Einundneunzig Kilometer lange "Hohe Veen Bahn" von Aachen Rothe Erde nach St.Vith wurde 1888 in ganzer Länge fertiggestellt.

Einhundertzweiundzwanzig Jahre später, 2010, sind die Gleise, bis auf befahrbare 22 Km, von Stolberg/Rhld bis zum Bahnhof Raeren (21,4 Km) zurückgebaut. Die letzten 600m Gleis der Stammstrecke, vom Abzweig Aachen Rothe Erde zum Anschluss der Firma Philips, wurden im Zuge von Baumaßnahmen im ehemaligen Güterbahnhof, 2014 zurückgebaut.

Es folgte am 21. Dezember 1889 der 13 Km lange Abschnitt von Stolberg/Rhld. über Breinig nach Walheim bei Aachen (heute ein Aachener Stadtteil).

Die Einbindung in die von Aachen-Rothe Erde kommende Hauptstrecke, erfolgte vor dem Haltepunkt Hahn bei Kilometer 11,6.

Bereits am 3. August 1887 wurde die "Vennbahn" ab Bahnhof Raeren (Abzweig) an die internationale Strecke (Aachen-Lüttich), am damaligen Grenzbahnhof des Deutschen Reiches, Herbesthal, über die Kreisstadt Eupen (Reg.-Bez. Aachen) angeschlossen.

Am 4. November 1889 wurde der Luxemburgische Bahnhof Ulfingen (Troisvierges) an die Verlängerung der von St.Vith kommenden "Vennbahn" angeschlossen.

Die Aachener Eisenhütte "Rothe Erde" (heute Continental Reifenwerk) konnte nun aus Luxemburg und dem damaligen deutschen Lothringen mit Eisenerz (Minet) beliefert werden. Steinkohle aus dem Aachener Wurm Revier fand via Eisenbahn den Weg in die Eifel. Die zunehmende Taktfrequenz der Güterzüge erforderte ab ca. 1895 den schrittweisen zweigleisigen Ausbau der Strecke, mit Ausnahme des Astes Rothe Erde nach Walheim und von Lommersweiler nach Ulfingen, sie blieben eingleisig.

Die Stadt St.Vith baute ihre Eisenbahninfrastruktur aus und wurde zu einem wichtigen Eisenbahnknoten mit Bahnbetriebswerk und Bahnmeisterei. 1.200 Mann waren dort um die Jahrundertwende bei der Bahn beschäftigt. Eine enorme Zahl.

Teilweise 30 Personen- und 80 Güterzüge pro Tag wurden hier abgewickelt.

1915 während des 1. Weltkrieges war die Strecke, zusätzlich durch den Nachschub des Deutschen Heeres, überlastet; man baute noch zwei weitere Strecken Richtung Belgien, die dann 1917 fertiggestellt waren.

Strategische Entlastungsbahnen ab 1917

Bf Born nach Vielsalm 23 Km

Bf St.Vith nach Gouvy 22 Km

Am Bahnhof Born zweigte die Strecke nach Vielsalm (B), an der internationalen Strecke Lüttich-Luxemburg, über die Ortschaft Recht an der Westgrenze (Poteau) ab. Der Viadukt überspannt den Fluss Amel und die bestehende zweigleisige Vennbahnstrecke Rothe Erde nach St Vith. Das imposannte Bauwerk wurde nach dem damaligen Landrat des Kreises Malmedy, Freiherr von Korff, benannt. In Hermanmont (Vielsalm B) wurde ebenfalls ein Viadukt errichtet.
Die zweite Strecke zweigte südlich dem Bahnhof St.Vith, an einem im 2. Weltkrieg zerstörten Überführungsbauwerk, in Richtung Gouvy (B) ab. In den Dörfern Neundorf und Weisten mussten ebenfalls Viadukte erbaut werden.

Die drei Bauwerke in Born, Neundorf und Weisten haben die Zerstörungen der beiden Weltkriege überstanden, der Viadukt von Hermanmont nicht.

Wichtige Abzweigbahnhöfe an der Strecke waren:

Bahnhof Raeren: 1887 Streckenast zum Grenzbahnhof Herbesthal, via Eupen.
Bahnhof Weywertz: 1912 Streckenast zum Bahnhof Jünkerath (Eifelstrecke Düren-Trier).
Bahnhof Weismes: 1885 Streckenast nach Malmedy. Später, Januar 1914, weiter nach Trois Ponts (B), via Stavelot (B).
Bahnhof Born: 1917 Streckenast nach Vielsam (B) via Recht.
Bahnhof St Vith: 1917 Streckenast nach Gouvy (B) via Neundorf.
Bahnhof Lommersweiler: 1889 Streckenast nach Prüm (Westeifelbahn) via Pronsfeld.

Nach dem vom deutschen Kaiserreich verlorenen 1. Weltkrieg (1914-1918) wurde 1920, durch den Versailler Vertrag, die Vennbahn und die ehemaligen Kreise Eupen und Malmedy (Reg.-Bez. Aachen) dem Königreich Belgien zugesprochen.

Sie firmierte nun auf dem deutschen Streckenabschnitt zwischen den Bahnhöfen Raeren und Kalterherberg, die beide jetzt auf belgischem Gebiet lagen, unter dem ungeliebten Begriff: "Regiebahn". Die Abwicklung des Verkehrs übernahm am, 1.November 1921, die SNCB. In den Bahnhöfen Raeren und Kalterherberg richtete der Belgische- und Deutsche Zoll, Zollämter ein.

Durch die nun umständlichen Zollformalitäten und den fälligen Zollgebühren Erz/t, entschloss man sich schließlich die Erzzüge aus Luxemburg, über den Abzweig Trier-Ehrang, über die Eifelbahn abzuwickeln.

Für Deutschland verlor die Vennbahn bei der Personen- und Güterbeförderung nun an Bedeutung.

Durch diese Maßnahme sank das Fracht- und Personenaufkommen auf der Strecke erheblich. Das blieb nicht ohne Auswirkung auf die belgischen Anliegergemeinden, natürlich auch für die dort beschäftigten Eisenbahner mit ihren Familien!

Von 1940 bis 1944 kehrte die Vennbahn noch einmal zum Deutschen Reich zurück, um dann, endgültig an Belgien zu fallen.

Von Stolberg/Rhld. über Raeren bis Weywertz, wurde die Vennbahn, trotz unregelmäßigen Bedienfahrten, betriebsfähig gehalten, jedoch am, 30.Juni 1989, befuhr der letzte Zug von Raeren aus die Strecke nach Sourbrodt.
Nach langem hin und her bedeutete dies das Ende der Vennbahn zwischen Raeren und Sourbrodt, die SNCB stellte den Verkehr ein.
Das Rückbauverbot auf deutscher Seite, von Stolberg/Rhld nach Raeren, bis zur Landesgrenze bei Aachen-Sief besteht noch heute (2015).


Diese Bahnlinie war für das Militär, nicht nur in den beiden Weltkriegen, von strategischer Bedeutung; gebaut wurde sie aber hauptsächlich, zur wirtschaftlichen Belebung dieser Eifelregion -was auch gelang.

Als 1895 auf dem neu errichteten Truppenübungsplatz "Elsenborn" bei Sourbrodt, die ersten Soldaten des VIII Armeekorps ihre Manöver abhielten, wurde auch die Eisenbahninfrastruktur im Sourbrodter Bahnhof den Bedürfnissen zur Truppenverladung angepasst. Bis zum heutigen Tage wurde und wird der Übungsplatz vom Militär genutzt. Eine ca 3 Km lange Militäreisenbahnstrecke (600mm), im Volksmund "Feuriger Elias" genannt, wurde vom Bahnhof Sourbrodt in das Lager Elsenborn, um 1900, erbaut. Sie diente dem militärischen Personen- und Güterverkehr, 1939 wurde der Betrieb eingestellt und die Bahn zurückgebaut.

1988 gingen die Streckenabschnitte: Trois Ponts (Linie Lüttich - Luxemburg) bis Bahnhof Sourbrodt und über den Abzweigbahnhof Weywertz bis Losheimergraben (Landesgrenze), in den Besitz des Belgischen Verteidigungministeriums über. Die NATO hatte somit die Möglichkeit diese Relation zu nutzen. Im Bahnhof Sourbrodt war die Infrastruktur zur Be-und Entladung von militärischem Gerät (Panzer/LKW) vorhanden. Die Verbindungsstraße zum Militärlager war als Betonstraße, seit dem Wegfall der Militärbahn, vorhanden. Noch heute, asphaltiert, ist der Betonunterbau tadellos.

1990 änderte sich die Geopolitsche Lage durch den Wegfall des Warschauer Vertrages, die Belgische Armee verließ schrittweise ihre deutschen Stationierungsorte und verlegte ihre Einheiten zurück ins Heimatland.
Durch diesen Umstand, kam 2004 das Aus für den Streckenast Weywertz Richtung Jünkerath, er wurde stillgelegt und zügig, auf deutscher Seite, zurückgebaut. Die Deutsche Bahn hatte kein Interesse mehr an dieser Strecke. 1985 bis 1986 war dieser Streckenast noch für zig Millionen Mark, gleistechnisch, von der Bundesbahn ertüchtigt worden.

Bis 2010 wurden alle Anlagen, bis auf einige Relikte im Bahnhof Sourbrodt, in Belgien zurückgebaut.

Sieben Kilometer Gleis liegen noch zwischen den Bahnhöfen Kalterherberg und Sourbrodt, auf diesem landschaftlich sehr reizvollen Abschnitt im Tal der Rur, wird touristisches Railbiking betrieben. Teile der ehemaligen Trasse sind als Radwanderwege (Ravel) nutzbar und ausgeschildert. Noch nicht überall ist die BÜ-Signalisation zurückgebaut, vielleicht ein wichtige Erinnerung!

Eine kleine Anmerkung, die Geschichte der Vennbahn auf dieser Seite steht im Fokus der Interessenten (18.000 Zugriffe gesamt), gefolgt vom Bw und Gbf Aachen West (10.000 Zugriffe).

 

Bis zum heutigen Tage, nach vollständiger Demontage der Vennbahn auf deutschem Hoheitsgebiet, ist die ehemalige Trasse aber immer noch belgisches Hoheitsgebiet. Ein Relikt aus dem Jahre 1920 als Folge des Versailler Vertrag.
Grenzsteine entlang der ehemaligen Strecke zeugen davon.

Ein Repatriierung der Trasse zur Bundesrepublik Deutschland, steht nicht zur Debatte.

Die SNCB hat im Jahre 2009, ihr Gleis vom Bahnhof Raeren in Richtung Walheim bis zur Staatsgrenze bei Aachen-Sief erneuert. Praktisch kann man von Raeren nach Stolberg/Rhld noch fahren, wenn auch in Schrittgeschwindigkeit.

Seit dem, hat sich nichts mehr getan.

Und nun?

Aktuell kann man beobachten, dass zumindest in Breinig sich etwas tut, die EVS arbeitet an der Sicherung und Erneuerung des Bahnüberganges. Die Arbeiten sind (2015) abgeschlossen.

Warten wir's ab!


Das Arbeitspferd der Vennbahn

Preussische T 14.1 später Baureihe 93 der DR




Daten der Bahnhöfe auf der Stammstrecke

Bahnhof Kilometer Höhe über NN Besonderheiten
Aachen Rothe Erde Km 0 184 Meter Ehemaliges Betriebswerk. Die letzten 600m Gleis sind 2014 demontiert.
Brand bei Aachen Km 5,6 244 Meter 1985 zurückgebaut
Kornelimünster Km 9,8 245,5 Meter Bahnmeisterei, 1982 zurückgebaut
Walheim bei Aachen Km 13,7 276 Meter stillgelegt
Raeren/Abzweig Km 19,6 338,43 Meter Betriebswerk, stillgelegt
Roetgen Km 28,2 415 Meter Bahnmeisterei, 2010 zurückgebaut
Lammersdorf Km 37,1 550 Meter 2011 zurückgebaut
Konzen Km 41,7 550,5 Meter 2010 zurückgebaut
Monschau Km 45,9 518 Meter Bahnmeisterei, 2010 zurückgebaut
Kalterherberg Km 52,8 505,5 Meter Railbiking 7 Km
Sourbrodt KM 59,8 562,2 Meter Bahnmeisterei, Truppenverladung, Railbiking 7 Km
Weywertz/Abzweig Km 66,9 560 Meter 2009 zurückgebaut
Weismes/Abzweig Km 72,3 509,9 Meter Bahnmeisterei, 2010 zurückgebaut
Montenau Km 79,7 426,5 Meter 1982 zurückgebaut
Born/Abzweig Km 83,3 455 Meter 1982 zurückgebaut
St Vith/Abzweig Km 89,3 462,5 Meter Betriebswerk, Bahnmeisterei, 1982 zurückgebaut
Lommersweiler/Azweig Km 96,0 385,5 Meter 1960 zurückgebaut
Reuland Km 100,4 340,33 Meter 1965 zurückgebaut
Oudler Km 105,3 417 Meter 1965 zurückgebaut
Lengeler (Grenze) Km 108,9 461,5 Meter 1965 zurückgebaut
Wilwerdingen (Lux) Km 114,9 472 Meter 1983 zurückgebaut
Ulfingen (Lux) Km 118,8 423 Meter 1983 zurückgebaut